Hallo ihr Deutsche (2)-Über Kleidung, Essen, Wohnen und Gehen

Aber ich weiß, warum ihr selten "freut mich, Sie kennenzuleren" sagt. In China sagt man so was auch nie, wenn ja, dann hat man bestimmt Gängsehaut.

Deshalb begrüße ich die Deutschen so, wie auch umgekehrt:

Hallo!/Hali hallo/(Guten) Morgen(Tag, Abend)!/Servus!/Habaderri!(Zampel)/

Heute möchte ich mit dem Thema "Kleidung, Essen, Wohnen und Gehen" anfangen.

In China spricht man seit Beginn dessen Kultur immer über die vier Dinge. Die Reihenfolge entspricht auch der Wichtigkeit. Das heißt, Kleidung kommt zuerst, dann ist das Essen wichtiger als Wohnen, und "Gehen" (bezieht sich auf Verkehrsmittel, sei es Fuss, Fahrrad oder Auto) kommt zuletzt. Zur Erklärung: Die Menschen müssen sich bekleiden (Menschenwürde), dann satt essen, egal ob sie unter Ziegeldach oder unter Heudach. Wenn die 2 Bedürfnisse befriedigt sind, zieht man ein schönere Wohung und schließlich fortgeschrittene Verkehrsmittel in Erwägung.

Obwohl dieser Spruch schon seit 5000 Jahren besteht, wird er jetzt im Land immer noch häufig gesprochen.

In Deutschland ist es nicht so, hat mein Dozent an der Uni mal gesagt. Die Reihenfolge bei euch ist: Wohnen, Gehen, Kleidung und Essen. Ihr achtet sehr auf das Wohnen, baut eigenes Haus, legt großen Wert auf die Wohnqualität. Möbel, Garten... Das kann man schon von den Angeboten der Supermärkte (Aldi, Lidl, Norma...) erkennen.

Gehen: Fast jeder Deutscher oder jede deutsche Familie hat ein Auto, so ist mein Eindruck. Wenn man kein Auto hätte, scheint es so, als hätte man fast keine Beine.

Essen: Im Vergleich zu chinesischem Essen ist das deutsche Essen fast nichts. Seid bitte nicht böse, es ist aber die Tatsache. Aber auch kein Wunder, weil die Chinesen großen Wert auf das Essen legt. (Aus meiner Sicht soll eigentlich Essen vor Kleidung gehen! )

Natürlich darf man die wirtschaftliche Entwicklung nicht vergessen. Die wirtschaftliche Stärke gilt eigentlich als Hintergrund und Grundlage dieses Vergleichs. Obwohl beide Länder durch den 2. Weltkrieg ganz zerstört worden sind, hat sich Deutschland danach kontinuierlich gut entwickelt. China konnte wegen historischen Gründen nur seit 27 Jahren richtig entwickeln, begleitend mit riesen Sozialproblemen. In manchen Gebieten auf dem Lande kämpft man in China immer noch fürs Überleben, während die Deutschen für die Lohnerhöhung protestieren und von Urlaub träumen.

Deshalb beneide ich Deutschland. Ich beneide für unsere Arbeitslosen Deutschland, weil die deutschen Arbeitslosen die tolle ärztliche Versorgung genießen können. (Dank Bismarck). Ich beineide für meine Landsleute Deutschland, weil wir immer Überstunden machen (manche arbeiten 6 oder sogar 7 Tage pro Woche) und ganz niedrigen Gehalt bekommen. Wir kennen keinen Urlaub, arbeiten fast Jahr für Jahr durch. Aber ihr Deutsche hat immer das Wort "Urlaub" an der Zunge.

Tja, ich weiß warum (Bevölkerungsproblem und historische Fehlentscheidung von Mao), finde die Realität nur schade.

Einmal war ich ganz aufgeregt. Eine Patientin kam zu uns zur Stationierung. Während einer Visite im Zimmer sagte sie mit elegantem Lachen: "Ich lege Toufu auf meine Brust (Sie hatte Brustkrebs, der durch chinesische Medizin beseitig ist.), aber Sie essen das." Ich bekam ein ganz komisches Gefühl. Nach einer Woche müsste ein kleiner Rückschlag gekommen, sie war ganz nervös und viel geklagt. Ja ja ja, das kann ich schon akzeptieren. Am Ende sagte sie etwa, ich möchte alles tun, damit meine Lebensqualität noch besser wird. An diesem Zeitpunkt kam plötzlich die arme Szene in Afrika vor meinen Augen. Lebensqualität! Sie pflegt die Haut mit Markencreme, macht sich schöner mit Goldschmuck, isst alles, was sie will, und redet über bessere Lebensqualität!!! Sobald ich mich daran erinnere, kann ich die Wut nicht zusammenreissen. (Ihr könnt bitte diesen Satz verbessern, ich habe momentan kein Wörterbuch bei mir.)
Deshalb sage ich, wer mir noch über Lebensqualität redet, geh BITTE nach Afrika, geh BITTE nach China!

 

Link: Hallo ihr Deutsche

5.3.07 17:16, kommentieren

Hallo, ihr Deutsche!

Hallo allerseits!

Das ist nicht mein erster Gruß an euch Deutschen, aber doch erstmals durchs Internet! Freut mich!

Ich bin seit 14 Monaten in Deutschland und fahre in 10 Monaten nach China zurück. Was ich hier mache? Ich arbeite als Dolmetscher in einer Klinik der Tradtionellen Chinesischen Medizin, abk. TCM-Klinik. Vielleicht habt ihr schon bemerkt, dass ich eigentlich 2 Jahre in Deutschland bleibe. Genau! Der Arbeitsvertrag beträgt 2 Jahre. Danach nehme ich meine frühere Arbeit in China wiederauf.

Ich bin in China beruflich Rundfunksprecher.

Viele Patienten fragen mich, "wo haben Sie so gut Deutsch gelernt?" Sie können aber kaum glauben, als ich antworte, "in China!"

Also, China, wie alle wissen, ist ein groooßes Land. Wie groß? 9,6 Mio. qkm, so heißt es im chinesischen Lehrbuch. Man sagt, dass China so groß wie das ganze Westeuropa ist. Naja, ich stamme aus einer Provinz, die Shanxi heißt. Meine Heimatstadt ist die Provinzhauptstadt, Taiyuan, mit 3.42 Mio. Einwohnern (2005). Ja ja, ich weiß, dass ihr niemand die Stadt kenne, aber ich möchte nur sachlich darüber informieren, nä? Ihr kennt bestimmt Beijing, ja, die Hauptstadt des Landes. Und meine Provinz ist eine Nachbarprovinz von Beijing. Das ist genug. Gut, jetzt Schluss mit komischen chinesischen Ortsnamen... Wie bitte? was haben Sie gefragt, meine schöne Blonde? ...Wie weit ist die Entfernung zwischen meiner Heimatstadt und Beijing? Also, mit dem S-Zug ohne Umsteigen 9 Stunden.

Wannsinn, Gel? (Bayrisch für "nicht?", weiß aber nicht, wie man schreibt)

Zur Sache. Ich bin in Taiyuan geboren und aufgewachsen. Als ich im 18. Lebensjahr die Entscheidung treffen musste, in welche Uni zu gehen, habe ich entschlossen, eine Fremdsprache zu lernen, ausser Englisch. Mir blieb keine andere Wahl, als "Deutsch" zu nehmen. So wurde mein restliches Leben bestimmt, glaube ich nun.

Ich wurde dann mit guten Noten in die 2. Beijnger Fremdsprachenhochschule aufgenommen. Dort habe ich 4 Jahre Germanistik studiert. Ja studiert, aber wie kann man Germanistik studieren, ohne die deutsche Sprache zu beherrschen, denke ich immer. Aber ich habe während des Studiums eine ziemlich solide Basis geschaffen, vor allem bezüglich Aussprache und Grammatik, was meinen folgenden Aufbau ermöglicht hat.

Nach dem Studiumabschluss arbeite ich dann im chinesischen Staatsrundfunk für Ausländer, in der deutschen Redaktion, als Übersetzer und Sprecher. So konnte ich meine Deutschkenntnisse weiter verbessern. Nach zwei Jahren hat die Redaktion mich im Rahmen des Zusammenarbeitsprojekts "TCM-Klinik in Deutschland" zu euch geschickt. Und jetzt, schon mehr als die Hälfte des Aufenthaltes ist vorbei.

How time flies! Vielleich soll dieses Blog ein Protokoll der schönen Erinnerung sein.

Gurt, so war eine kurze Selbstvorstellung. "Freut mich, euch kennenzulernen!", so heißt es im Lehrbuch, womit man einen begrüßt, obwohl kein Deutsche zu mir so was gesagt hat.

 

Link: Hallo ihr Deutsche (2)-Über Kleidung, Essen, Wohnen und Gehen

2 Kommentare 1.3.07 21:06, kommentieren

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